Wie wird man als Forschender berühmt?
Prof. Andrea Teti über seinen Ruf in eine Expertenkommission der Bundesregierung

21. Februar 2023
Neben dem Blick auf die Fakten ihrer Forschung gehört für Wissenschaftler*innen auch zum Karriereaufbau, ihre Arbeit in die Öffentliche Wahrnehmung zu bringen. Manchmal interessieren sich dann sogar höchste Stellen für die eigene Expertise. Irgendwann erreichte Prof. Teti eine Email der Bundesregierung: der Ruf in eine Expertenkommission. Wie hat er das geschafft? Im WiN-Interview gibt er wertvolle Tipps für Forschende.
„Es ist wirklich schön, zu so einer Gruppe erfahrener, gestandener Wissenschaftler zu gehören!“
Prof. Dr. Andrea Teti, Universität Vechta
TF: Herr Teti, Sie sind von der Bundesregierung in eine Kommission berufen worden. Herzlichen Glückwunsch! Wie sieht denn die Arbeit in so einer Kommission in Berlin aus – können Sie uns mal dahin mitnehmen?
I: Wir treffen uns in der Regel einmal im Monat. Diese Treffen waren eigentlich in Präsenz gedacht, das ist aber nicht immer möglich, da die Sachverständigen aus der gesamten Republik anreisen und neben den Altersberichten noch Lehre und Forschung haben. Deshalb gibt es manchmal auch Treffen online. In Berlin ist das dann aber immer ein ganzer Tag im Bundesministerium für Familien oder beim Deutschen Zentrum für Altersfragen. Da treffen wir uns dann zunächst im Plenum. Wir sind elf Mitglieder insgesamt und sobald die übergeordneten Themen diskutiert wurden, teilen wir uns in Untergruppen von zwei bis dreiKollegen auf, um intensiver an einem Unterthema zu arbeiten. Die Herausforderung ist, dass man teilweise in mehrere Unterthemen gleichzeitig eingebunden ist, dannmuss man etwas Hopping machen!
TF: Würden Sie sagen, dass diese Arbeit eher erfüllend ist oder eher anstrengend?
I: Beide Komponenten sind vertreten. Wenn wir uns treffen ist es ein sehr konzentriertes Arbeiten und es gibt auch viele theoretische Diskussionen, die man führen muss. Wir kommen ja aus verschiedenen Perspektiven und Schulen. Aber andererseits ist es wirklich schön, zu so einer Gruppe erfahrener, gestandener Wissenschaftler zu gehören!
TF: In diese bemerkenswerte Position sind Sie gekommen, weil die Bundesregierung Sie persönlich angefragt hat. Erinnern Sie sich noch wie das genau ablief?
I: Ich bin im Juli 2022 berufen worden – es kam alles sehr schnell und unerwartet! Ich hatte im Juni eine Anfrage vom Ministerium bekommen, hatte kurz überlegt und dann diese Anfrage angenommen. So bin ich zum Berufungstermin im Juli in Berlin ins Familienministerium gefahren.
TF: Das war sicher ein besonderer Moment für Sie. Wie muss man sich das denn vorstellen, kommt da einfach so eine E-Mail oder was passiert da?
I: Ja, genau! Es kam eine E-Mail vom Familienministerium mit der Bitte telefonischen Kontakt aufzunehmen. „Im Rahmen des 9. Altersberichtes würden wir uns gerne telefonisch austauschen“, hieß es. Es ist klar, dass in dieser Situation erst einmal die Verfügbarkeit von den Sachverständigen geprüft wird und auch, ob überhaupt Interesse besteht bevor man zu viele interne Details veröffentlicht.
TF: Haben Sie sich gefreut?
I: Ja, ich habe mich zunächst gefreut – und mir die Frage gestellt, wie ich zu dieser Ehre komme.
TF: Haben sie es herausgefunden?
I: Nein, nicht wirklich. Erst habe ich gedacht, es würde an privaten und beruflichen Kontakten liegen. Dann habe ich alle beruflichen Kontakte gefragt, ob ich empfohlen wurde, aber die Frage wurde nie bejaht. So bin ich auf eine andere Erkenntnis gekommen.
TF: Nämlich?
I: Meine wissenschaftliche Sichtbarkeit ist die Ernte von zehn, 15 Jahren harter Arbeit. Ich werde von außenstehenden Personen in meinem Bereich wahrgenommen durch meine Publikationen, Vorträge, Doktoranden. Ich wurde deswegen ausgesucht, weil ich forschungsmäßig für bestimmte Themen stehe und diese adäquat vertreten kann.
TF: Als junger Wissenschaftler oder Wissenschaftlerin kann man mit Sicherheit auch im stillen Kämmerlein vor sich hinarbeiten. Wie muss man es denn stattdessen machen, damit man von außen wahrgenommen wird?
I: Da habe ich eine banale Empfehlung, aber die ist wirklich zentral. Und zwar, neben der wissenschaftlichen Aktivität und Forschungsergebnissen nicht vergessen zu netzwerken. Das ist das A und O des Erfolges. Man kann wunderbare empirische Ergebnisse haben, aber wenn ich nicht diese Grundbereitschaft habe meine Erfolge, aber auch Schwierigkeiten mit anderen zu teilen, werde ich in der Wissenschaft nicht so erfolgreich. Das heißt, sich immer wieder mit Kollegen austauschen und Kooperationen anfragen. Abwägen und dann bedienen und sich immer wieder öffentlich zeigen. Möglichkeiten nutzen: zum Beispiel bei Tagungen vorzutragen oder sich in einer Summer School vorzustellen.
TF: Sie haben gerade gesagt, dass Sie auch Schwierigkeiten mit Kollegen teilen sollen, ist das nicht ganz schön… schwierig?