Wie Entengrütze unsere Landwirtschaft verändern könnte
Kreislaufwirtschaft-Projekt erforscht Wasserlinse als Futterersatz für Soja

2. Februar 2023
An Teichen liegen sie als grüner Teppich auf der Oberfläche, die Wasserlinsen, auch „Entengrütze“ genannt. Die winzigen Pflänzchen sind Wachstumsmeister und können ihre Biomasse innerhalb eines Tages verdoppeln. Außerdem gedeihen sie sogar auf Schmutz- und Abwässern. Haben sie das Zeug dazu, unsere Gewässer zu reinigen und problematische Futtermittel in der Landwirtschaft zu ersetzen? Ein Forschungs-Konsortium ist dabei, das herauszufinden.
An vielen Orten hat die Suche danach begonnen wie man Abfälle wieder in Rohstoffe verwandeln kann. Dann lassen sie sich erneut als Ressource wieder zuführen: Es entsteht eine Kreislaufwirtschaft, möglichst ohne Müll.
Die Wasserlinse könnte der Schlüssel für einen Kreislauf in der Landwirtschaft sein, einem Bereich, in dem besonders große Mengen an Rohstoffen verbraucht werden und viele Abfallstoffe wie Nitrat und Phosphor entstehen. Die kleine Pflanze ist in der Lage, genau solche Stoffe aus Wasser herausfiltern und in erntefähige Biomasse zu binden. Damit könnte der biologische Reiniger gleich wieder als Futtermittel dienen, entsprechend groß wäre sein Effekt für die Nachhaltigkeit.
Projektteam aus Wirtschaft und Wissenschaft
Um dieses Potential zu erkunden, ist das Projekt „ReWali – Reduktion des Nährstoffeintrags in Gewässer sowie Produktion von Futtermittel durch Wasserlinsen“ im Norden Deutschlands 2022 gestartet, gefördert mit einer halben Millionen Euro aus Mitteln der Europäischen Innovations-Partnerschaften für Landwirtschaftli che Produktivität und Nachhaltigkeit.
Das technische Know-How für den Anbau der pflanzlichen Hauptfigur steuert die Firma NOVAgreen Projektmanagement GmbH aus Vechta bei, koordiniert wird das Projekt durch den Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar) an der Universität Vechta. {LINK zu Beschreibung auf WiN – von dort Link zu HP} Die Universität Göttingen führt wissenschaftliche Untersuchungen durch. {LINK Uni Göttingen)
Die Projektpartner zielen darauf ab, die Biomasse der Wasserlinse nach ihrer Filterung von Abwasser wieder als natürliches, proteinreiches Futtermittel zur Verfügung zu stellen. So entsteht ein Kreislauf, der nicht nur die Nährstoffe „recycelt“, sondern auch natürlich abläuft – und das direkt vor Ort ohne lange Transportwege.
Ein Team aus Wirtschaft und Wissenschaft erforscht das Potential der Wasserlinse
(v.l.) Prof. Dr. Jens Tetens (Uni Göttingen), Johann-Michel Claßen (Claßen Gänsezucht, Bakum), Eva Gregersen (Uni Göttingen), Dr.in Linda Armbrecht (trafo:agrar), Dr.in Stefanie Retz (trafo:agrar), Prof. Dr. Jürgen Hummel (Uni Göttingen) und Rudolf Cordes (NOVAgreen, Vechta)
Große Veränderung für die Landwirtschaft
Im Projekt wird die bisher unterschätzte heimische Pflanze unter anderem auf sogenanntem „Schlabberwasser“ angebaut, einem mäßig nährstoffhaltigen Brauchwasser aus der Gänsehaltung. Solche niedrig und mäßig belasteten Flüssigkeiten ins Abwassersystem einzuleiten, hat seinen Preis: Es erfordert eine Genehmigung der Behörden und wird nach heutigen Standards immer schwieriger umzusetzen.
Alternativ kann man belastetes Oberflächen- und Brauchwasser lagern, was allerdings Platz- und Kostenprobleme verursacht. Diese Probleme könnte die Wasserlinse lösen und darüberhinaus gleich noch ein lokal produziertes Futter für die Gänsezucht bereitstellen, das herkömliche Varianten wie das teils kritische Soja ersetzt.
Das Konzept der Kreislaufwirtschaft rund um die Wasserlinse lässt sich möglicherweise auch auf andere Tierarten, wie etwa die Fischhaltung übertragen. Dabei geht es konkret um die Frage, inwiefern speziell Forellen als Fleischfresser mit hohem Eiweißbedarf die proteinreiche Pflanze vertragen. Damit könnten die Veränderungen für die Landwirtschaft durch die kleine Wasserlinse große Ausmaße haben.